Anfang August hat mir (M) mehr oder weniger unter Zwang gestanden, dass er auf mich steht.
Wusste ich vorher schon mindestens drei Monate lang, weshalb ich so wenig wie möglich mit ihm unternahm und eigentlich davon ausging, dass er seine Augen doch noch richtig aufmacht und erkennt, wie dämlich das ist.
Er kennt mich nicht, nicht mal ansatzweise... Aber naja, was soll man machen. Klares Nein von meiner Seite hat diese seltsamen Annäherungen beendet und das ständige zuspammen hat auch aufgehört.
Danach stand die Ferienfreizeit mit den Kids an... 14 Tage am Stück, viele Ausflüge, wenig Schlaf, anderes Bundesland.. Und dezente Paranoia wegen einer Facebookfreundschaftsanfrage.
Vor dieser Freizeit habe ich mit zwei verschollenen Menschen jeweils ein Treffen ausgemacht auf die Woche nach der Freizeit. Bei (N) habe ich mir etwas Sorgen gemacht, weil unsere Vergangenheit eher.. gewagt war. Bei (L) habe ich mich nur furchtbar gefreut, einen durchgeknallten, ständig Argumente und Konter parat habenden Menschen wieder zu treffen.
Aber es kommt immer anders...
10 Stunden waren wir unterwegs. Ich mit schlimmem Muskelkater und du, (L), voller Elan und Freude. Nicht mal der Anfang war holprig, dabei haben wir uns über 5 Jahre nicht gesehen.
Wir sprechen über vergangene Freunde, über Hobbies, die ich mir zulegen soll und trinken Bier in extremer Hitze. Irgendwann landen wir im Park, durchaus angetrunken. Und du erzählst von Eroberungen, die mich ehrlich interessieren, die ich dir aber kaum abkaufen kann. Ich bemerke immer wieder, dass du anders bist. Das mir beinahe schon das Grobe fehlt und ich mich auf sinnlose Auseinandersetzungen gefreut habe, die nie ernst gemeint sind, aber einem soviel bringen.
Du sagst immer wieder, dass du erwachsener geworden bist, nicht weißt, was ich meine. Nach deinem 7 Bier, ich erreiche gerade mein Drittes, erwachst du zum Leben. Bist beinahe wie damals und ich habe das Gefühl, eine Zeitreise hinter mir zu haben. Irgendwann wird es langsam dunkel und wir landen in einer Bar. Die Bicke sind sehr intensiv, was ich aber auf den Alkohol schiebe. Außerdem beweist du Manieren und bist irgendwie.. einfach anders und es verwirrt mich. Jedes Mal, wenn ich mich bei einem seltsamen Gefühl ertappe, renne ich aufs Klo und sperre mich eine kurze Weile von der Außenwelt aus. Spreche mit mir selbst und gehe wieder gefasst zurück. Aber es hilft nichts und so bestelle ich mein viertes Bier, du bist mittlerweile beim 9ten.
Irgendwann fragst du, wie lange ich schon single bin und keinen Sex mehr hatte. 2 Jahre, sage ich und löse damit ungewollt etwas in dir aus. Du fängst an, komische Dinge zu reden... Ich soll mir dich als Affäre nehmen, deinen xxxx auspacken, mich prostituieren.
Später finden wir uns am Fluss wieder, ein nerviger Mensch gesellt sich zu uns und brüllt gefühlte Stunden in sein scheiß Handy. Du schreist, lässt dich aber nicht weiter drauf ein und ich erschrecke erneut über deine Ruhe, obwohl du damals wahrscheinlich sofort auf Angriff gegangen wärst.
Und dann... kommst du näher, willst kuscheln, erzählst von schönen Momenten und in mir explodiert alles. Du sagst, es gab da mal Jemanden, den du immer noch nicht vergessen kannst. Das du davon geschädigt seist...
Und als ich es schaffe zu fragen, ob das Alles gerade ernst gemeint ist und wirklich passiert, erschreckst du sichtlich vor dir selbst und vor mir und... Alles ist Anders. Du redest davon, dass mir nicht bewusst ist, was Typen für mich tun würden. Du sprichst davon, dass du es nicht verstehst, dein Ego ist verletzt und ich kenne dich in dem Punkt und weiß, dass das, was jetzt folgt, nicht partout gegen mich geht. Nicht mal zwei Jahre ohne Sex würden dich attraktiv machen und ob ich nicht will oder dich nur vor mir bewahren will.
Wenn du nur hättest sehen können, wie weh es mir tat zu sagen, dass ich nicht will. Aber du hast keine Ahnung.
Die Fahrt zurück müssen wir gemeinsam ertragen. Es ist komisch, du bist komisch und ich versuche in der Bahn nicht so zu wirken, als wäre etwas geschehen. An meiner Haltestelle musst du noch 4 Minuten auf den Bus warten, ich biete an mit zu warten, dir sei es egal. Ich bleibe trotz allem, die Vorstellung, dass du nun gleich weg bist und wir uns wahrscheinlich nie wieder sehen ist irgendwie unangenehm.
Als der Bus kommt, drückst du mich... leicht, dennoch bestimmt, verabschiedest dich zügig und steigst ein.
Schon beim laufen kommen mir die Tränen, während dem Umziehen, im Bett liegen Tränen. Am nächsten Morgen wache ich mit einem blöden Gefühl auf, sehe auf mein Handy und lese, dass du das so nicht kannst. Kontakt abbrechen, das ist momentan das, was du willst, der Tag war schön, aber es geht nicht anders. Gegen Tränen kann ich nicht viel tun, außer sie zuzulassen und es selbst nicht zu verstehen. Ich weiß nicht mehr, was ich antworte, als ich versuche, unter dämlichen Tränen mein Müsli zu essen. Dummes Stück, heulst einfach los.
Er kommt nicht ganz damit klar. Und ich auch nicht. Ob ich will oder nicht, ist Nebensache. Tatsache ist, von ihm habe ich das nie erwartet. Ich brauche ihn an Kumpel und das ist nun auch Geschichte, denn er kriegt das mit seinem Ego gerade nicht so gebacken.
Egal wer, egal wo, immer wieder und wieder passiert das Gleiche.
Ich tue nichts, ich tue wirklich nichts und wenn ich könnte, würde ich aufhören so zu sein, wie ich bin, wenn dieses Theater dann endlich aufhören würde. Es ist nicht normal, dass ich monatlich zwei Abfuhren geben muss, ständig "Freunde" verlieren muss, weil diese plötzlich meinen, ich könnte passen.
Ich fühl mich schlecht, verarscht und weiß echt nicht, was ich nach all den Jahren davon halten soll, es macht mich wirklich einfach nur noch fertig und belastet extrem. Ich will meine Jungs haben und nicht diese Kindergartenliebesscheiße, die sowieso nicht lange anhalten kann, weil ich niemals soviel preisgebe, dass man mich ernsthaft lieben kann.
Ach und (N) habe ich dann abgesagt, weil ich Panik bekommen habe. Einen Dritten würde ich nicht ertragen und ihm traue ich nach einigen Drinks durchaus solche Gespräche zu. Beim letzten Telefonat sagte er mir, er habe nach mir keine einzige Frau mehr gehabt. Keine Einzige, die ihn interessierte. Dabei war unsere gemeinsame Zeit beschränkt auf plus minus 4 Tage, von denen wir uns nur 2 Mal gesehen haben und was im Jahre 2009 war.
Es ist mittlerweile zwanghaft, wie oft ich mich vor Verabredungen umziehe, weil ich nicht aufreizend oder interessiert rüber kommen will. Wie viele Gedanken ich mir darüber mache, wie ich spreche, sitze oder mich zeige, damit das Gegenüber bloß nicht denkt, ich habe mich schick gemacht, weil ich etwas empfinde oder ein Ziel habe. Dabei sind es "Freunde".
Ich will das wirklich nicht mehr, es macht mich kaputt.
Und wenn man so wie ich Samstagmorgen um 5 Uhr am Bahnhof sitzt, weil man von einer Feier kommt und zwei Betrunkene um einen herum schwirren, wie notgeile Geier und man die Musik in den Ohren immer lauter und lauter und lauter dreht, um all das nicht zu hören, nicht zu sehen, muss man sich doch sehr zusammenreissen, nicht einfach aufzustehen und diesen verdammtenscheißwichserndiefressezupolieren.