Ich sitze am See auf einer Steinmauer und schaue in den Himmel. Merke, wie jemand auf mich zugeht und an der Steinmauer Halt macht. Du.
Du lehnst dich mit dem Rücken an die Mauer und starrst zu Boden.
Ich spüre deine Anwesenheit so deutlich, obwohl ich nicht hinsehen kann.
Nicht sehen kann. Nichts sehen kann.
"Weißt du...", beginnst du. Und mein Herz bleibt stehen. Für einen kurzen Augenblick hört es auf zu schlagen. Einfach so.
Ich atme durch und schaue zu dir.
"...ich denke an dich. Ich denke immer an dich. An dein Lachen, dein Sein, deine Art. So Vieles... ist einfach kaputt gegangen. Ich habe mich gewehrt - gegen das Leben ohne dich. Nur deshalb konnte ich nicht - wollte ich nicht aufhören, mich zu melden. Du warst der Sinn. MEIN Sinn. Du bist gegangen und nahmst die Wärme mit. Die Farben, das Glück. Ich habe viel getan, dir viel angetan. Du fehlst. Du fehlst so sehr, dass es immer noch weh tut."
Ich sehe rüber zum See. Am See vorbei schaue ich gerade aus und atme.
"Es ist verrückt, aber es stimmt. Wir haben 2016 und ich kann nicht vergessen. Weißt du noch, als ich dir die Lieder vorgespielt habe? Die Lieder, die alles aussagen konnten, wozu ich nicht in der Lage war. Weißt du noch? Weißt du noch, wie ich auf die Knie ging. Damals im Hausflur und wie bitterlich ich weinte? Weil ich dich nicht gehen lassen konnte. Ich konnte nicht loslassen. Ich kann es bis heute nicht."
Du schaust zu mir. Dein Blick durchdringt mich, bohrt sich in mich und verharrt unangenehm schmerzhaft an mir.
"Ich will eigentlich nur sagen, dass es mir Leid tut. Du warst etwas Besonderes. Immer. Du musst mir glauben. Mir glauben, dass es mir Ernst war. Ich hatte Angst - vor mir - vor dir - vor uns. Es tut mir wirklich Leid."
Ich schließe die Augen und verweile einen Moment in dieser Situation. Als ich meine Augen öffne, kneife ich beide leicht zusammen und schaue schräg zu dir. Ich treffe deinen Blick und er schmerzt noch mehr - jetzt, wo er mich direkt ins Herz trifft.
"Ich glaube dir nicht", antworte ich und schaue zu Boden.
"Wieso?", fragst du mich und ich habe das Gefühl von Tausend Messern an der Kehle.
Ich drehe meinen Blick wieder Richtung See, mustere das Wasser und schaue schließlich zurück zu dir.
"Du bist nicht echt", sage ich bestimmt.
Deine Augen füllen sich mit Tränen. Als sie beginnen, dein Gesicht herunter zu laufen, ätzen sie deine Haut, wie Säure. So lange, bis ich nur noch einen Schädel vor mir erblicken kann.
Nur deine Leere blickt mich an. Es ist beängstigend und verwirrend zugleich.
Ich sehe dich immernoch an, versucht, meinen Blick abzuwenden, doch ich kann mich nicht bewegen. Es wird bitterkalt.
Irgendwann löse ich mich von diesem Anblick und schaue zu Boden.
In dem Moment bewegst auch du dich. Von mir weg. Du gehst und ich sehe dir noch nach, als du hinter den Bäumen verschwindest.
Und während ich so da sitze und noch deine Anwesenheit spüre, frage ich mich..
Welches Mädchen sitzt am anderen Ufer? Wer ist sie, zu der du nun gehst? Und was wird sie tun, wenn du ihr genau das Gleiche sagst? Und wie viele Weitere wirst du noch an diesem See besuchen? Wie viele von uns gibt es tatsächlich...
wunderschön traurig ♥
AntwortenLöschenDas ist das schönste was ich in letzter Zeit gelesen habe.
AntwortenLöschenIntensiv. Und wahr.
S.
Traurig. Schön. Schöne Worte.
AntwortenLöschenJa.
Danke ♥
AntwortenLöschen(Mehr als das, aber für mehr fehlt mir die Kraft. Daher noch mal... danke)
Liebe, liebe Pusteblume,
AntwortenLöschenein kleines Hallo aus der Versenkung. Danke für deine unermüdlichen lieben Worte und Herzen, ich hab mich unheimlich gefreut, auch wenn ich wenig bis gar nicht kommentieren konnte.
Dein Text ist so intensiv und schrecklich und traurig, ich hoffe irgendwie, er beschäftigt dich nicht mehr so arg. Und dir geht es ordentlich und ohne zu viele Abfucks, das würde ich dir sehr wünschen.
Ich umärmel dich, Liebes <3
Anna.
Danke ... Warum... Bist du denn da? Ich versteh das gerade wirklich nicht. Aber danke.
AntwortenLöschenWie geht es dir? Entweder mein Handy spinnt oder du hast fast einen Monat nicht gebloggt...?