Du hast kein Recht darauf zu verurteilen, auf welche Weise ich mich gerettet habe, nachdem du alles zerbrochen hast!

8. Dezember 2014

Zuviel

Gestern abend habe ich mir soviele Gedanken gemacht um soviele Dinge.
Und ich bin zu sovielen Gedanken gekommen durch andere Gedanken und dies brachte nur noch mehr Gedanken und dann..
Wollte ich aufhören zu denken.
Also habe ich meine lieben Pillen heraus geholt.
Und obwohl ich mir am liebsten mehrere eingeworfen hätte, habe ich mich auf eine beschränkt. Morgen ist Montag dachte ich mir. Morgen musst du arbeiten, fit sein, lebendig. Also nicht übertreiben, nur noch zwei Wochen, dann ist erst einmal Ruhe.
Gut, dass mein Verstand doch noch irgendwie funktioniert. Aber eben nur irgendwie.

Ich saß gestern abend auf meinem Balkon und habe eine Zigarette nach der anderen verschlungen.
Mir kamen Erinnerungen von früher, Erinnerungen an all die Winterzeiten, die ich erlebt habe.

Im Winter 2009 war ich das erste Mal in der Lage, mit jemandem zu schlafen,
ohne für diesen Jemand sowas wie Liebe zu empfinden.
Mir war in meiner Beziehung bewusst geworden, dass ich zuviel verlange,
wenn ich ehrlich sage, was ich will.
Mir ist bewusst geworden, dass es den Mann an meiner Seite zwar vielleicht interessiert,
was ich mir wünsche, aber nicht unbedingt interessiert, dies umzusetzen.
Und so begab ich mich in die Welt eines Menschen, der von da an mein Leben veränderte.
Ich wollte eigentlich nur benutzt werden und ich wollte selbst nur benutzen,
ich hatte es satt, etwas zu empfinden.
Und ich kam mir kein bisschen blöd dabei vor - damals.

Jedes Jahr aufs Neue, wenn es nach Winter riecht, wenn alles still ist, wenn der Wind weht und sich diese Unruhe in mir breit macht.. Kommen diese seltsamen Gefühle wieder.
Damals war all der Sex, all diese Drogen um mich rum, all dieses Chaos nicht von negativer Bedeutung.
Damals habe ich mich wohl gefühlt in dieser kaputten Welt.
Ich habe abschalten können, es ist schwer zu erklären,
aber in dieser schlimmsten Zeit hatte ich irgendwie ebenso meine Beste.
Es war egal, ob irgendetwas funktionierte.
Ich konnte damals bei dem kältesten Temperaturen draußen am Bahnhof sitzen,
weinen, nachdenken..
Irgendwann nach Hause fahren und einfach in dieser Dunkelheit vor mich hin existieren.
Oh, verdammt.. Wie oft war ich in den schlimmsten Zuständen an dem besagten Bahnhof..
Zu welchen unträglichen Uhrzeiten..
Und all das nur, weil ein gewisser Mensch mich in seinem Bett haben wollte.
Und ich mich in seinem.

Eine aus unserem Feierkreis hat mir am Samstag erzählt, dass ihr Freund sie betrogen hat.
Auf einem Festival.. Wie niveauvoll.
Daraufhin musste ich mir die Frage stellen..
Ist es denn nun schlimmer, betrogen zu werden,
es sofort zu erfahren und dann damit irgendwie abschließen zu können oder ist es schlimmer vier/fünf Jahre davon auszugehen,
dass dies bald der Fall sein könnte, da durchgehend Anzeichen dafür auftauchen,
eindeutige Beweise..
Die man aber über sich ergehen lässt, weil es keine endgültige Tat gibt?
Vielleicht ist das sogar die Antwort, Begründung für mein Verhalten all die Jahre..
Es gab leider nicht die direkte Tat, nie das direkte.. Eindringen in eine andere Person.
Und somit für mich aus irgendeinem Grund nie wirklich einen Schlussstrich..
Lassen wir das.

Momentan geht soviel in meinem Kopf vor,
dass ich mir eigentlich nur einen Menschen wünsche,
zu dem ich mich setzen kann und einfach anfangen darf zu weinen.
Keine Worte, keine bemitleidenswerten Berührungen oder Gesten oder gar Gesichtsausdrücke. Einfach nur da sitzen, alles raus lassen, darauf ein Bierchen trinken und weiter machen, wie zuvor.
So jemandem habe ich nicht, wirklich nicht.  
Und ich glaube schon lange nicht mehr daran, dass ich es erkennen würde,
wenn ich so jemanden treffen würde..

Ich will gar nicht so negativ, so pessimistisch wirken.
Im Grunde genommen geht es mir gut.
Nur eben nicht komplett.
Eigentlich gar nicht.
Was soll das alles..

Ich kann mich noch zu sehr beherrschen. Allerdings macht mich das schreiben jetzt gerade noch unerträglicher für mich selbst.
Ich dachte, es würde mir helfen. Jetzt ist es umso schlimmer..

Ich will schlafen gehen, aber dann ist der Tag vorbei und ich muss morgen wieder hin.
Dahin, wo man mich eigentlich nicht unbedingt haben will, wo man auf mich verzichten kann.

Shit.

2 Kommentare:

  1. Während ich deinen Text lese, finde ich mich in jeder Zeile wieder...
    Es ist so erschreckend aber gleichzeitig ein tolles Gefühl, zu wissen, dass ich nicht alleine bin.
    Du bist mir sehr ähnlich...
    Ich habe nur wegen meinem Freund mit der Prostitution aufgehört..
    Drogen und Alkohol sind leider immer noch sehr present..
    Aber was solls, irgendwie...muss man diesen Schmerz doch unterdrücken?
    Ich weiß es nicht...

    Danke für deine lieben Worte, ich hab mich sehr gefreut <3

    Liebste Grüße

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    1. Ich habe mir deinen Kommentar mehrmals durchgelesen, mir fällt es gerade ziemlich schwer Wörter aneinander zu reihen, die Sinn ergeben. Es stimmt, irgendetwas muss man dagegen tun, vollkommen zebrechen will man nicht unbedingt.. Oder eben nur bedingt.
      Danke dir für deine schnelle und mitfühlende Antwort.. <3

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Schön, dass du da bist.. :)