Arbeit.
Ich weiß, das sollte man nicht mit nach Hause nehmen.
Ich hatte 40 min lang ein Gespräch mit dem Mädchen, welches mir eigentlich seit Anfang an Probleme macht. Schwierigkeiten mit Beziehungsaufbau, Vertrauen.. Generell hat sie sich meist eher gegen mich verschworen.
Es wird besser und schlechter und letztendlich sehe ich Fortschritte.
Aber momentan.. geht es ihr nicht gut und uns mit ihr nicht gut.
Sie verhält sich unerträglich und es geht so nicht weiter.
Sie liegt auf dem Bett und weint. Und weint und weint.
Und fragt mich, was mit ihr passiert. Wieso das passiert. Wieso es in ihrem Kopf so.. schwierig ist.
Es ist ein trauriger Moment, ein Moment, in dem ich selbst den Tränen nahe bin und ihr das auch so mitteile. Und es ernst meine. Und ihr bestätige, dass die Dosis der Medikation erhöht werden muss,
weil sie älter geworden ist und die Ruhe nicht mehr hat mit der alten Medikation.
Und dazu sage ich, wie beschissen sich das eigentlich anhört und...
Was ich eigentlich meine, ist, dass es nicht okay ist. Es ist nicht okay, dass ein 13 Jähriges Mädchen um die 10 Tabletten am Tag nehmen muss. Wegen ihrem Verhalten, wegen ihrer schlimmen Krankheit, wegen ihrem.. Leben.
Und gleichzeitig kann ich ihr nicht sagen, dass ich sie so sehr verstehe. So sehr verstehe, dass sich das Hirn anfühlt, wie Watte. Das sie nicht sie selbst ist, wenn sie Tabletten nimmt. Und nicht sie selbst ist, wenn sie keine nimmt. Das ich verstehe, dass sie ausbrechen will. Aus all dem Mist, aus all dem, was ihr geschehen ist. Das sie mit all den Konsequenzen vor einem Berg steht, den sie nicht abarbeiten kann. Das ich an ihrer Stelle auch so fühlen würde, wahrscheinlich abhauen würde, mich auch nicht benehmen würde, benehmen könnte.
Das alles kann ich nicht, weil ich sie nicht darin bestärken sollte, es weiterhin so zu tun.
Ich weiß, wie ich damals drauf war. Alle konnten mich mal, alles war egal und letztendlich..
Ja, was eigentlich? Ich habe schon die ganze Zeit darauf gewartet, ihr davon zu erzählen, wie sehr ich all das nachvollziehen kann. Das es einfacher ist, die Tür zu zu knallen, als zu reden. Das es einfacher ist, jemanden anzuschreien, statt zu sagen, dass man nicht mehr kann. Das es viel Mut braucht, sich einzugestehen, dass man erkennt, dass man so nicht weiter machen kann.
Aber dann sitze ich neben ihr, neben einem Geschöpf, welches ihr Leben noch vor sich hat.
Verbockt durch Eltern, die Drogenabhängig sind, die im Knast waren, die zum Teil keinen Kontakt haben dürfen und zum Teil wenige Möglichkeiten haben.
Und mir wird bewusst, dass es gar nichts bringen würde.
Es bringt nichts, meine Geschichte offen dar zu legen. Nicht ihr - nicht mir.
Denn sie ist ein Beispiel, welches niemals alleine klar kommen wird.
So wie ihre Schwester ebenfalls.
Sie ist das Beispiel, das uns im Einarbeitungskonzept dar gestellt wurde..
99% der Kinder, die wir hier betreuen, sind nicht in der Lage für sich selbst zu sorgen, sobald sie entlassen werden. 99% der Kinder, die hier sind... bekommen unsere Aufmerksamkeit, unsere Geborgenheit, unsere Struktur, unser best Möglichstes... Sie lernen viel. Aber sobald sie gehen, sind sie verloren.
Glauben will man sowas nicht. Und vielleicht stecken wir unsere Erwartungen dadurch auch niedriger.. Aber Tatsache ist, wenn ich mir die Gruppe von uns ansehe.. Gibt es nur eine, eine verdammt einzige, die ihr Leben schafft.
Ich wollte das alles irgendwie los werden, die Formulierung gefällt mir an vielen Stellen nicht.
Ich will die uns anvertrauten Kinder nicht verurteilen, zumal ich nach dem ein oder anderen Schicksal womöglich nicht mehr am Leben wäre... Weil ich es nicht könnte, wie sie es können.
Aber können sie es? Was ist, wenn sie ihr Leben lang Medikamente nehmen, die in erster Linie IHNEN helfen sollen und... ohne nicht mehr leben können?
Ist das richtig?
Ich hab Feierabend, ich ess jetzt etwas und.. denke erst wieder morgen dran. Morgen im Dienst.
Oha.. ich weiß gar nicht, was ich sagen soll. Das ist so traurig... Das drückt es nicht mal annähernd aus. Es ist alles so so falsch, ich bin so geschockt von dieser Welt, wieder mal.
AntwortenLöschenIch wünsch dir viel Kraft!
Ohje... das ist wirklich heftig, da fehlen auch mir ein wenig die Worte. Es würde wohl alles irgendwie fehl am Platz sein. Aber Hut ab an dich und alle, die diese schwierige, belastende und sicher unheimlich traurige Arbeit machen und für diese Kinder da sind.
AntwortenLöschenWegen dem Kommentar mach dir keine Gedanken- du musst dich deswegen auch nicht entschuldigen oder so :) ich versteh das vollkommen.
Kopf schütteln, ja genau. Und sich permanent fragen "was zur...?!". ´
Ist doch nicht schlimm! Ist eben nicht für jeden was und ich habe ihn halt an dich weiter gegeben, weil ich dich und deinen Blog sehr gern mag; als kleines Zeichen der Wertschätzung eben. Wer ihn dann nicht weitergeben mag, vollkommen in okay :)
Oh das mit dem müde sein kenne ich auch... weißt du denn woran es liegen könnte? Schläfst du schlecht oder so etwas? Oder ist es eher dieses "alles ist anstrengend und erschöpfend" müde sein? Ich hoffe, das wird bald wieder besser.
Mir geht es nach dem letzten Tief nun auch wieder recht gut :) danke für die Umarmung und den Sonnenschein, das gebe ich doch gleich mal so an dich wieder zurück <3
Naja, ich habe viel daraus gelernt. Positives, aber auch leider viel Negatives...
AntwortenLöschenHehe, aber Sonnenstrahlen, nee. :D Mir wäre Kälte und Schnee viel lieber. :b ♥
Und zu deinen Worten; ich glaube, manchmal muss sowas auch raus. In dem Beruf zu arbeiten ist echt schwer, auch wenn man es gerne macht. Es gibt immer wieder Situationen, die einem über den Kopf wachsen. Und irgendwo muss man es rauslassen. Dafür hast du doch den Blog. :)
Alles Liebe und eine herzliche Umarmung. ♥